Predigt - Kreuzkirche Lüneburg

Kreuzkirche Lüneburg
Kreuzkirche
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Predigt

Gottesdienst
15.08.2021, 11. Sonntag nach Trinitatis

Epheser 2
Übersetzung nach Hoffnung für alle:

1 Aber wie sah euer Leben früher aus? Ihr wart Gott ungehorsam und wolltet von ihm nichts wissen. In seinen Augen wart ihr tot.2 Ihr habt gelebt, wie es in dieser Welt üblich ist, ....4-5 Aber Gottes Barmherzigkeit ist groß. Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit Christus neues Leben schenkte. Denkt immer daran: Diese Rettung verdankt ihr allein der Gnade Gottes.6 Er hat uns mit Christus vom Tod auferweckt, und durch die Verbindung mit Christus haben wir schon jetzt unseren Platz in der himmlischen Welt erhalten.7 So will Gott in seiner Liebe, die er uns in Jesus Christus erwiesen hat, für alle Zeiten die überwältigende Größe seiner Gnade zeigen.8 Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod gerettet worden. Das ist geschehen, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Es ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk.9 Durch eigene Leistungen kann ein Mensch nichts dazu beitragen. Deshalb kann sich niemand etwas auf seine guten Taten einbilden.10 Was wir jetzt sind, ist allein Gottes Werk. Er hat uns durch Jesus Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nun, was Gott schon im Voraus für uns vorbereitet hat.
Lutherübersetzung : Das neue Leben als Geschenk

1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gewandelt seid nach der Art dieser Welt, unter .... dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.(... etwa die nur an ihr Vorankommen denken oder die andere Menschen übervorteilen oder die foltern oder töten???) ...4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Liebe Gemeinde,
 
mir fällt auf, dass es heutzutage zahlreiche Lebensberater und Lebensberaterinnen gibt. Es gibt sie, weil viele Menschen danach fragen: Wie kann ich bewusster leben? Oder: Wie finde ich mein Glück? Oder: Welchen Sinn kann ich entdecken, obwohl ich Schweres erlebt habe bzw. erlebe oder mich auf Erkrankungen einstellen muss oder ungerecht behandelt werde? Diese Suche nach bewusster leben ist kein Phänomen aus den letzten fünf oder zehn Jahren, sondern hat eigentlich schon begonnen vor 50 Jahren. Mit der Generation der 68er. Für diese Generation war es nicht mehr unangenehm, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Man wollte persönlich freier werden, unabhängiger gegenüber Autoritäten wie den eigenen Eltern, Lehrern, Ärzten, Vorgesetzten.  Man las Bücher von Lebensberatern wie zum Beispiel dem Psychologen Peter Lauster, der in den achtziger und neunziger Jahren sehr bekannt wurde. Sein Ansatz war: Denke nicht nur über dich nach, sondern fühle dich intensiv. Mit der Jahrtausendwende wurden Vorträge von Anselm Grün und Eckhart Tolle in großen Versammlungen gehört … bis in unsere Tage hinein. Nächstes Jahr kommt Anselm Grün ja auch zu uns. Und besonders in den letzten zehn Jahren spielt das Internet eine immer bedeutendere Rolle. Podcasts werden angeklickt, also Videoaufnahmen von Lebensberaterinnen und Lebensberatern wie zum Beispiel Veit Lindau. Menschen suchen Beratung und Orientierung, weil sie nicht mehr einfach leben wollen, wie man halt so lebt. Es ist ein Aufbruch in ein bewussteres Leben. Weg vom Mainstream, also weg von einem Leben mit viel Arbeit und viel Konsum ohne eigentliche Besinnung: Was brauche ich wirklich wirklich?
 
 
Ich finde diese Entwicklung wunderbar. Und obwohl ich ja selbst in gewisser Weise ein Lebensberater bin, - jede Predigt hebt ja immer aus einem je anderen Blickwinkel hervor, was uns von Gott her mit Sinn erfüllt -, obwohl das so ist, lerne ich gern was von Lebensberatern aus aller Welt. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Man kann so viel Inspiration aufnehmen. Denn tatsächlich ist ja unser Mainstream-Lebensstil mit Arbeit und Konsum einfach zu einseitig, flach und dumpf.
 
 
Der Schreiber des Epheserbriefes bezieht sich auch auf den Mainstream, den Mainstream-Lebensstil seiner Zeit. Er nennt ihn den Geist, nach der Art dieser Welt zu wandeln. So übersetzt Martin Luther. In der Bibelausgabe „Hoffnung für alle“ heißt es, leben, wie es in dieser Welt üblich ist. Der Verfasser des Briefes an die Epheser bewertet diese Art Lebensstil als sündig und behauptet: Wer lebt, wie es in dieser Welt üblich ist, lebt doch gar nicht frei und lebendig, sondern viel zu unbewusst und wie ein lebender Toter.

Solche Wertung ist natürlich starker Tobak. Darf man sich so weit aus dem Fenster lehnen und von lebenden Toten sprechen? Ich möchte uns ein anderes Bild anbieten, welches ich nicht als so schroff empfinde. Aber welches klarmacht: Wer nicht bewusst lebt, sich nicht fragt, was will ich wirklich wirklich, diejenige oder derjenige kommt mir so vor wie ein noch Schlafender. Anselm Grün, Eckhart Tolle, Veit Lindau würden wahrscheinlich sagen: Derjenige oder diejenige ist noch nicht erwacht. Peter Lauster hätte geschrieben: Sowohl im Denken als auch im Fühlen ist derjenige oder diejenige noch nicht bei sich selbst angekommen. Und weil Lauster zwar kein kirchlicher, aber spirituell-gläubiger Psychologe ist, würde er wohl ergänzen: Nicht bei sich selbst angekommen und auch noch nicht in tiefe Beziehung getreten zum Göttlichen.

Noch nicht in tiefe Beziehung getreten zum Göttlichen. Der Verfasser des Epheserbriefes würde diese letzte Bemerkung umdrehen: Gott ist in seiner Liebe schon längst mit uns in Beziehung getreten. Nämlich durch Jesus, den Christus. Und mit der Taufe haben wir seinen Geist empfangen. Leben wir ein neues Sein, ein anderes Leben in diesem Geist. Wir sind keine Schlafenden mehr, wir sagen dem Mainstream-Lebensstil adé.
 

Aber verhält es sich so tatsächlich?

Die Antwort lautet deutlich: Ja, das verhält sich so. Es ist ja auch unsere Erfahrung. Dazu sage ich gleich mehr. Aber die Antwort lautet auch: Nein, wir alle tragen einige Päckchen mit uns herum. Wie damit umgehen? Dazu auch mehr nachher.
 
 
Erst einmal möchte ich betonen, dass wir ja Aufgewachte sind und dem Mainstream-Lebensstil adé sagen.
 
 
Uns ist ja lange schon bewusst, dass es im Leben darauf ankommt, auch kritisch zu denken und zu fühlen, was wir wirklich empfinden, wie Peter Lauster empfiehlt. Und das tut uns gut. Darüber hinaus orientieren wir uns nicht daran, was man von uns heutzutage erwartet. Wir haben ja ein eigenes Standing. Uns ist wichtig, so zu leben, wie uns das Vertrauen auf Gott in Christus inspiriert. Dieses Vertrauen spiegelt unser erneuertes Bewusstsein wider, unsere andere Identität. Der Verfasser des Briefes an die Epheser würde von einem himmlischen Bewusstsein sprechen. Er schrieb: Gott hat uns mit Christus lebendig gemacht … Und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus. Die Bibel „Hoffnung für alle“ übersetzt: Gott "hat uns mit Christus vom Tod auferweckt, und durch die Verbindung mit Christus haben wir schon jetzt unseren Platz in der himmlischen Welt erhalten“. Dieses himmlische Bewusstsein verändert, was wir tun und wie wir eine Lösung für unsere Welt sind und nicht das Problem für diese Welt. Dies ist sehr schön beschrieben in dem Lied: Wo Menschen sich vergessen. Die zweite und dritte Strophe lauten: Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns. Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns. - Mehr geht nicht für uns. Und das ist wunderbar.
 
 
Aber: Wir tragen alle unsere Päckchen mit uns herum. Und das hat zur Folge (ich sag es mal aus meiner Sicht): Ich habe nicht die Kraft, die Liebe zu bedenken in jeder Situation. Oder mir fehlt die Einsicht, mich zu verbinden mit allen Menschen, die mir begegnen, und meine Vorurteile oder Ängste zu überwinden, die ich ja auch in mir trage. Aber trotzdem möchte ich bewusster leben. Mit einem himmlischen Bewusstsein Himmel und Erde verbinden. So gut ich es eben kann. Ich stelle mir vor, so geht es Ihnen auch.
 
 
Und hier kommen für mich Lebensberater und Lebensberaterinnen wieder ins Spiel wie Peter Lauster, Veit Lindau oder Anselm Grün. Anselm Grün schrieb 1992 zu unserem heutigen Predigttext aus dem Brief an die Epheser, was uns hilft. Was uns hilft, mit unseren Päckchen umzugehen und mehr bei uns selbst zu sein und bei unseren Mitmenschen. Ich zitiere Anselm Grün: „Ich, der ich jetzt dasitze und meinen Verstand zum Schweigen bringe, ich bin im Innersten in den Himmel versetzt. Der Himmel ist in mir. In mir ist etwas, das die Welt übersteigt. Die ewige Heimat“ berührt jetzt schon mein Herz. "Wenn ich das 'koste und schmecke' als die eigentliche Wirklichkeit, dann relativiert sich vieles, dann fällt die Sorge (weg) um mich und meine Gesundheit, die Sorge um Erfolg und Bestehenkönnen ... . Dann ist nicht mehr wichtig, was die anderen von mir denken. Dann erfahre ich mitten im Trubel meines Lebens eine tiefe innere Ruhe, dann ist mein Herz angekommen bei Gott und in Gott kommt es wirklich zur Ruhe, da kann alles andere schweigen. Und in diesem Schweigen berühre ich die eigentliche Wirklichkeit, Gott selbst als den, um den all mein Sehnen letztlich kreist.“
 

Ich kann das fast alles unterschreiben. Ich habe zwar immer wieder mal Sorge um mich und meine Gesundheit. Aber ich giere nicht nach Erfolg und Bestehenkönnen. Ich kann loslassen, was andere von mir denken und fühle mich frei. Da ist eine große Gelassenheit in mir und auch Ruhe; das Wort Friede ist vielleicht passender als Ruhe. Ich bin im Frieden mit mir, weil Gottes Liebe und Güte in meinem Herzen ruhen. Dieser Friede schenkt mir eine innere Klarheit, was ich mit meinem Leben wirklich will in der mir verbleibenden Zeit.
 
Ich habe dies für mich auf den Punkt gebracht anhand einer Anregung, die der Lebensberater Veit Lindau mal in einem seiner Vorträge im Internet gegeben hat. Er meinte: Stell dir vor, du triffst Gott. Er bietet dir an: "Du hast einen Wunsch frei; den werde ich dir erfüllen. Du musst nur bereit sein, alle anderen Wünsche hintenan zu stellen. Was würdest du dir dann wünschen?" Ich habe diese Vorstellung schon einmal hier im Gottesdienst angesprochen. Mein innigster Wunsch ist: Bleibe bei mir, Gott. Ich möchte aus der Beziehung zu dir leben. Der nächste Gedanke dazu ist ein Versprechen gegenüber Gott: Um deinetwillen und meinetwillen möchte ich ein wahrhaft liebender Mensch sein. Ich möchte mich verschenken mit Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Liebe und Offenheit.....so gut ich es eben vermag. Und der Friede in mir sagt: So gut ich es eben vermag. Das ist auch genug!
 
 
Liebe Gemeinde, es ist ein große Gnade, dass wir solchen Frieden in uns empfinden können. Oder dass wir ihn für uns suchen. Wer wünscht und sucht, findet. Denn der Himmel ist bereits in uns, wie Anselm Grün uns mit dem Epheserbrief zuspricht. Der Himmel ist bereits in uns. Amen
Foto: J.Koke

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Der Kirchenvorstand der Kreuzkirchengemeinde Lüneburg
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Zusammenstellung: J.Koke


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