Predigt - Kreuzkirche Lüneburg

Kreuzkirche Lüneburg
Kreuzkirche
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Predigt

Gottesdienst
04.07.2021, 5. Sonntag nach Trinitatis

Jesus Sirach 14, 5.11-17:
5 „Wer sich selbst nichts Gutes gönnt, was sollte der andern Gutes tun?
… 11 Mein Kind, tu dir selbst soviel Gutes an, wie du kannst, und gib
dem Herrn die Opfer, die ihm gebühren. 12 Bedenke, dass der Tod nicht
auf sich warten lässt und dass du keinen Vertrag mit dem Tod hast. 13
Tu dem Freund Gutes noch vor deinem Ende, und gib den Armen nach
deinen Kräften. 14 Versäume keinen fröhlichen Tag, und lass dir die
Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind. 15 Denn du musst
doch alles, was du sauer erworben hast, andern lassen … . 16 Schenke
und lass dich beschenken, 17 und gönne dir, was dir zusteht; denn wenn
du tot bist, so hast du nichts mehr davon.... .“ (Lutherbibel)

Geheimnis d. Daseins:
 
achtsam den Moment leben
     
12 Bedenke, dass der Tod nicht auf sich  warten lässt
 
und dass du keinen Vertrag mit dem Tod  hast.
 
15 Denn du musst doch alles, was du  sauer erworben
 
hast, andern lassen … .
 
17 und gönne dir, was dir zusteht; denn  wenn du tot
 
bist, so hast du nichts mehr davon....  .“
     

Selbstliebe
     
11 Mein Kind, tu dir selbst soviel  Gutes an, wie du
 
kannst,
 
14 Versäume keinen fröhlichen Tag, und  lass dir die
 
Freuden nicht entgehen, die dir  beschieden sind.
 
16 ...und lass dich beschenken
     

Nächstenliebe
     
16 Schenke...13 Tu dem Freund Gutes  noch vor deinem Ende, und gib den Armen nach deinen Kräften.
     

Gottesliebe
     
11 und gib dem Herrn die Opfer, die ihm  gebühren.
       
Liebe Gemeinde,
was sind die vier Dinge, um die wir uns kümmern sollten? Jede/r Einzelne von uns für sich selbst. Ich stelle mir vor, dass uns sofort einfällt:
01 Wir achten auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung, sorgen für genügend Bewegung, treiben ein wenig Sport oder aus Freude viel Sport, um unserem Körper Gutes zu tun. Das liegt bei uns ganz bestimmt oben auf.

Die anderen Dinge sind vermutlich nicht so selbstverständlich. Am ehesten vielleicht dieser Aspekt:
02 Unser Geist braucht Nahrung durch gute Gespräche, durch fordernde Aufgaben in Beruf und freier Zeit, durch Podcasts, die wir im Internet hören oder durch Zeitschriften und Bücher, die wir lesen.
Dann habe ich noch zwei weitere Angelegenheiten, um die wir uns kümmern sollten, wenn wir ein bewusstes und erfülltes Leben genießen möchten.

Da sind einmal unsere
03 Gefühle. Sie sind da! Wir sind fühlende Wesen. Wir fühlen Wärme oder Kälte, wir fühlen Anerkennung oder Kränkung, Selbstsicherheit oder Verunsicherung, Bedürfnisse und Sehnsüchte. Wenn ich in Kontakt mit meinen Gefühlen bin, dann kann ich gut in mir und mit mir sein, dann kann ich empfinden, wie es anderen geht und was sie brauchen. Ich werde dann auch weniger dummes Zeug reden, was scheinklug daher kommt … .

Und als Letztes möchte ich anführen … dies ist also Nummer….
04 die Seele. Meine, deine Seele. Sie gehört auch zu den vier vitalen Aspekten im Leben, die wir beachten müssen. Ich gehe davon aus, dass Nr. 04 von vielen Menschen nicht wahrgenommen wird: die Bedeutung unserer Seele.  Die Seele wird nicht genährt von einem englischen Rasen vor der Haustür, auf dem keine Butterblume und kein Gänseblümchen mehr wächst. Sie wird nicht gestützt durch einen Einkauf bei Amazon. Unsere Seele braucht Liebe und Verbundenheit.

4.1. Unsere Seele braucht Liebe und Verbundenheit mit dem Hier und Jetzt. So wie ich es auf dem Handout benannt habe angesichts unserer Endlichkeit:
12 Bedenke, dass der Tod nicht auf sich warten lässt und dass du keinen Vertrag mit dem Tod hast. 15 Denn du musst doch alles, was du sauer erworben hast, andern lassen … . 17 … gönne dir, was dir zusteht; denn wenn du tot bist, so hast du nichts mehr davon.... .“ Kennen Sie das auch, wie oft man erschrickt, wenn man eine Nachricht erhält, dass jemand viel zu früh gestorben ist? Oder kennen Sie die bohrende bzw. aufrüttelnde Frage: Was ist, wenn ich nicht mehr lange habe? Wenn nicht mehr viele Jahre auf mich warten? Ich kann solche Fragen zulassen, weil ich in meinem Beruf natürlich oft erlebe, dass der Tod nicht auf sich warten lässt, wie Jesus Sirach sagt. Ich erinnere eine Trauerfeier für einen 57-Jährigen. Ich glaube, dass er von seinem Bewusstsein her einen imaginären Vertrag mit dem Tod hatte nach dem Motto: Ich besiege den Krebs und werde über 80 Jahre alt. Er kaufte sich deshalb 14 Tage vor seinem Tod ein neues Auto. Er hatte nichts mehr davon, musste das Auto – wie Jesus Sirach sagt – „andern lassen“. Was wäre es gewesen, das er sich stattdessen hätte gönnen sollen. Jesus Sirach sagt ja: Gönne dir, was dir zusteht. Es wäre gewesen, bewusst den Moment zu füllen: Vielleicht mit persönlichen, befreienden Gesprächen im Kreise seiner Liebsten oder Versöhnung mit Menschen, die ihn enttäuscht haben bzw die er enttäuscht hat. Vielleicht wäre es eine frühe palliative Betreuung gewesen, die ihm die letzten Schritte erleichtert hätte….Es sind ja verschiedene Dinge vorstellbar, die zu seinem gegenwärtigen Moment besser gepasst hätten als der Kauf eines Neuwagens 14 Tage vor dem Tod.

4.2. Verweilen wir noch ein bisschen bei dem Ausgangsgedanken: Unsere Seele braucht Liebe und Verbundenheit mit dem Hier und Jetzt. Es ist die Verbundenheit mit uns selbst, die Liebe zu uns selbst. Jesus Sirach schreibt dazu: „11 Mein Kind, tu dir selbst so viel Gutes an, wie du kannst, 14 Versäume keinen fröhlichen Tag, und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.16 Schenke und lass dich beschenken.“ Hier wird starke Erlaubnis eingesprochen, alle Über-Ich-Anstrenger zu entthronen, die fordern: Bevor du dir etwas gönnst, musst du erstmal die Pflicht abarbeiten: Pflicht vor der Kür. Jesus Sirach widerspricht: Nicht erst alles erledigen, was du für die Arbeit tun musst, nicht erst erledigen, was du für andere machen musst, sondern versäume keinen fröhlichen Tag. Tu dir auch selbst viel Gutes an. Denn wenn du das auf Nachher verschiebst, gibt es vielleicht dieses Nachher nicht. Bedenke, dass du keinen Vertrag mit dem Tod hast, dass du garantiert 50 Jahre alt werden würdest oder 65 oder 80 oder 95. Darum lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir heute beschieden sind. Sei gut zu dir selbst. Deine Zeit ist jetzt. Rufen wir uns dies immer wieder in Erinnerung.

4.3. Dass unsere Seele Liebe und Verbundenheit braucht, bezieht auch die Nächstenliebe mit ein. Von Psychologie als Wissenschaft über Neurologie bis hin zu Forschungsgruppen des Dalai Lama, alle bestätigen, dass der Mensch eine lebendige Seele ist, die gerne hilft und daraus körperliches und geistiges Wohlbefinden bezieht. Darum riet Jesus Sirach:13 Tu dem Freund Gutes noch vor deinem Ende, und
gib den Armen nach deinen Kräften. Nach den eigenen Kräften zu geben, ist immer möglich, selbst wenn die Kräfte vielleicht nur ein kurzes Zuhören erlauben und keine maßgebliche Hilfe. Und dennoch lebt unsere Seele davon, anderen Gutes zu tun. Unsere Seele will in Beziehung stehen, will verbunden sein, will lieben.
4.4. Und ein Letztes gehört zur Liebe und Verbundenheit, welche unsere Seele braucht. Es ist der Ruf Jesu zur Umkehr. Der Umkehr zu Gott. Der Liebe zu Gott. Kein neuer Gedanke durch Jesus. Deshalb schrieb Jesus Sirach schon vor Jesu Zeiten: „… gib dem Herrn die Opfer, die ihm gebühren“. Unsere Seele möchte nicht ohne Gott leben, will verbunden sein mit Gott, will mit ihm solidarisch sein.
Wie sehr ist uns dies bewusst?
Diese Solidarität beinhaltet, von ihm her zu denken. Was Gott will; nicht, was andere Leute von mir wollen und über mich erzählen oder von mir als Entgegenkommen erwarten. Keine Anbiederung, um jedermanns Liebling zu sein, und auch kein Ausnutzen von anderen. Der Einsatz, den Gott möchte, die Opfer, die ihm gebühren, sind: Von seiner Liebe und wahren Menschlichkeit her zu denken, zu entscheiden, zu handeln.

Schauen wir jetzt noch einmal zurück, was die vier Dinge sind, um die wir uns kümmern sollten, wenn wir ein interessantes, bewegtes, authentisches Leben führen wollen anstatt uns zu langweilen mit einem Alltag, in dem der Höhepunkt ist der Anblick eines englischen Rasens vorm oder hinterm Haus, auf dem keine Butterblumen und Gänseblümchen gedeihen.
Im allgemeinen Bewusstsein rangiert die Gesundheit des Körpers sehr hoch in der Werteskala und dass unser Geist Nahrung braucht. Und dann lässt die Aufmerksamkeit bereits nach. Dass wir in Kontakt mit unseren Gefühlen sein sollten, um wir selbst zu sein, ist nicht mehr jedermanns und jedefraus Selbstverständnis. Unser letzter Punkt, dass wir eine lebendige Seele sind, die Liebe und Verbundeneit leben möchte, ist vielleicht schon ein Minderheitenstandpunkt. Ich finde es aber sehr hilfreich, den alten Begriff „Seele“ wieder zu benutzen. Er zeigt uns, worauf es wesentlich im Leben ankommt:

Erstens: Wir erlauben uns als Seele aus Gott, unsere Endlichkeit zu akzeptieren und leben damit gefasster und realistischer, weil wir nicht glauben, selbstverständlich ein Anrecht zu haben, mindestens 50 Jahre alt zu werden bzw gern 95 Jahre alt.
Zweitens: Wenn ich mich als Seele verstehe, gönne ich mir, mir auch selbst Gutes zu tun.
Drittens: Als Seele verbinde ich mich in Liebe mit anderen.
Viertens: Als Seele möchte ich nicht ohne Gott sein. Ich denke, entscheide und handle von seiner Warte aus mit Liebe und Menschlichkeit.

Sie sehen: Unser Geist/unser Herz wird reich beschenkt, wenn wir bewusst darüber nachdenken, um welche Dinge wir uns im Leben kümmern sollten.
Amen

Angaben gemäß § 5 TMG und Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Der Kirchenvorstand der Kreuzkirchengemeinde Lüneburg
Röntgenstr. 34
21335 Lüneburg
Zusammenstellung: J.Koke


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