Predigt - Kreuzkirche Lüneburg

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Predigt

Gottesdienst
31.03.2019   Laetare

Liebe Gemeinde,
 
ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden habt inhaltlich vortreffliche Sätze gesagt zu dem, was glücklich macht. Ich beziehe mich nachher auf diese Inhalte. Zu Beginn dieser Predigt möchte ich vom einzelnen Inhalt etwas weglenken und allgemein grundlegend sagen: mein Glück, dein Glück, das hängt doch davon ab, ob ich denke dieses Glück muss ich erst einmal suchen“ oder ob ich meine „das Glück umgibt mich schon, ich muss es nur wahrnehmen“.
 
Clara Maria Bagus schreibt in ihrem Roman über dieses Entweder „Glück muss ich suchen“ oder „Glück ist schon da“. Der Roman heißt „Vom Mann, der auszog, den Frühling zu suchen“. Untertitel: eine Reise zur Leichtigkeit. Der Mann, der den Frühling sucht, ist ein Bild für jemanden, der glücklich werden will. Der Mann, der den Frühling sucht, trifft auf einen Winzer, der Weintrauben abpflückt. Der Mann erzählt dem Winzer, dass er den Frühling sucht. Bei dem folgenden Gespräch geht es letztlich darum, wie man Glück findet.
Der Winzer fragt: den Frühling suchen? „Warum wartest du nicht einfach ..., bis der Herbst vorbei und der Winter über das Land gezogen ist? Dann kommt der Frühling doch von ganz allein.“
„Ich habe keine Zeit mehr“, antwortete der Mann. „Gewartet habe ich lange genug, doch gekommen ist er nicht, der Frühling. Ich habe gelernt, dass ich selbst etwas tun muss, um ihn zu finden. Dass ich mein Leben in die Hand nehmen muss - und selbst wenn es bedeutet, es ganz anders zu machen als alle anderen.“
„Aufbruch und Neubeginn?“
„Wenn es nicht schon zu spät ist. Wie für diese Trauben hier. Eben noch am Hang und schon vorbei.“ Er steckte sich eine in den Mund.
„Solange du lebst, ist es nicht zu spät. Sieh dir die Trauben genau an. Die Ernte der Trauben bedeutet doch nicht den Tod der Trauben. Sie bedeutet lediglich eine Veränderung. Eine Veränderung von einem Zustand in einen anderen, der vorher noch nicht da war. Wein ist eine Umwandlung des ursprünglichen Zustandes, nicht das Ende. Und auch eine Rosine ist nicht der Tod der Traube.“  (Seite 94.95)
Foto: Thorsten Jutzie  / pixelio.de
Dieses kurze Gespräch gibt uns mit auf den Weg: Es ist nie zu spät, sich Gedanken über das Glück zu machen. Glücklich kann man zu jeder Zeit und in jedem Alter sein oder werden. Und im Grunde haben ja beide Redner recht. Der Frühling kommt ganz von allein, man muss ja nur warten. Also: Das Glück ist schon da, man muss nur achtsam beobachten, bis man es erkennt. Aber auch das andere stimmt. Man kann lernen, etwas dafür zu tun, glücklich zu sein.
 
Damit haben wir jetzt drei Einsichten an der Hand, die eine Basis sind fürs Glück: Das Glück ist schon da, man muss es nur wahrnehmen. Aber man kann auch etwas dafür tun. Und es ist nie zu spät für Aufbruch und Neubeginn mit glücklichen Momenten oder Tagen.
 
Dazu kommt eine weitere Erkenntnis, was man lernen kann, um glücklich zu sein. Ich fand folgenden Satz auf Instagram: Happiness isn't so much getting what you want as wanting what you have. Glück ist gar nicht so sehr zu bekommen, was man will, sondern zu wollen, was man hat. Das heißt wahrzunehmen und zu bejahen und zu schätzen, was da ist, was ich schon an Glück habe: meine Intelligenz, meinen Humor, meine Gaben und mein Können, Sauerstoff und Wasser, auch mein Fahrrad, Smartphone oder mein Auto, dass ich atme, dass ich jetzt in diesem Moment keine Zahnschmerzen oder Kopfschmerzen habe und so weiter.... . Ich könnte wie selbstverständlich hierüber hinwegsehen und nähme mir damit viele Aspekte meines Glücks weg. Hier stehen wir also auf der Seite „das Glück ist schon da“.
 
Ändern wir den Satz von Instagram noch etwas ab: Happiness isn't so much getting what you want as knowing what you really need. Glück ist gar nicht so sehr zu bekommen, was man will, als zu wissen, was man wirklich braucht. Dann befinden wir uns auf der aktiven Seite des Suchens. Ihr, liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, habt euch aufgemacht und entdeckt, was wir alle wirklich brauchen: Anderen zu helfen, macht glücklich (macht den anderen glücklich und auch einen selbst, habt ihr erklärt); Gerechtigkeit und Freiheit sind Garanten des Glücks ... und eine Verbindung zu Gott durch Glaube, Gebet und Liebe trägt wesentlich zum Glück bei. Wobei ihr auch gesagt habt, dass man die Freiheit der Entscheidung hat, ob man an Gott glaubt oder nicht. Und wer nicht glaubt, ist ja nicht automatisch ohne Halt.
 
Ich möchte eure und unsere Suchbewegung nach dem Glück heute noch etwas ergänzen und hoffentlich auch vertiefen helfen. Francois Lelord bringt in seinem Buch „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ ein paar Justierungen ein, wie man Glück findet und woraus Glück besteht. Seinem Buch liegt die Glücksforschung in der Psychologie zugrunde. Glücksforschung besteht aus Untersuchungen, deren Ergebnisse empirisch wissenschaftlich belegt sind. Eines der Ergebnisse ist:„Viele Leute sehen ihr Glück nur in der Zukunft“. (Seite 142) Vielleicht bemerken wir, dass wir selbst oft mit den Gedanken in der Zukunft sind, wenn wir uns nach Glück sehnen. Das ist nicht hilfreich. So entgeht uns das Glück, dass im Moment schon da ist.
 
Die Psychologie kann belegen, dass viele Leute meinen, glücklich ist man erst, wenn man reicher oder mächtiger ist (Seite 142). Das ist wahrscheinlich der häufigste und größte menschliche Irrtum. Ich glaube, Jesus und Buddha sind in unserer Menschheitsgeschichte die glücklichsten und weisesten Menschen gewesen. Keiner von beiden hat jedoch sein Glück in Reichtum oder Macht gesucht! Am letzten Sonntag haben wir hier im Gottesdienst darüber gesprochen, nämlich: Wenn die Grundversorgung eines Menschen gegeben ist mit Nahrung, Kleidung, Wohnung, Bildung, Gesundheitsfürsorge und Arbeit, dann trägt ein höheres Einkommen kaum mehr dazu bei, glücklich zu werden.
 
Und wer meint, glücklich zu sein bedeutet, dass es einem immer gut geht und dass einem kein Leid widerfährt, sitzt dem zweitgrößten menschlichen Irrtum auf. Schmerzen oder Beeinträchtigungen können früher oder später vom eigenen Leben nicht mehr fern gehalten werden. Das zeigt ja besonders tiefgehend Jesu Schicksal. Trotzdem war Jesus immer wieder mit glücklichen Momenten gesegnet.
Warum?
An ihm können wir das Glück ablesen, welche Geisteshaltung und welche Herzenseinstellung einen ganz lebendigen und erfüllten Alltag hervorbringt. Denn „Glück ist, wenn man sich rundum lebendig fühlt (Seite 143), schreibt Francois Lelord aus Sicht der psychologischen Forschung. Die Geisteshaltung des Glücks ist: Ohne Furcht in Verantwortung vor Gott und den Menschen das zu tun, wovon man tief überzeugt ist. Es gibt eine positive persönliche  Nebenwirkung: Wenn ich in meinem Geist so aufgestellt bin, sorge ich mich nicht, ob andere mich gut finden oder mir Anerkennung schenken. Man kann diese Geisteshaltung sehr gut am Verhalten des Jesus studieren. - Die Herzenseinstellung des Glücks ist, wenn man immer wieder aus Mitgefühl heraus handelt und von Herzen gern gibt. Das hat Jesus auf Schritt und Tritt getan. Heute weiß man aus psychologischer Sicht: Glück ist, eine Beschäftigung zu haben, die man liebt, und wenn man spürt, dass man anderen nützlich ist (Seite 173).
 
Wenn die Evangelien im Neuen Testament aufrufen, Jesus nachzufolgen, also Jesu Geisteshaltung und Herzenseinstellung selbst einzuüben, dann ist das eine Einladung zum Glücklichsein. Es ist kein Versprechen, dass wir damit Schmerzen und Beeinträchtigungen von unserem Leben fernhalten. Dies fernzuhalten, ist nicht möglich. Trotzdem gibt es Glück in vielen Momenten. Aus der Geisteshaltung heraus, ohne Furcht in Verantwortung vor Gott und den Menschen das zu tun, wovon man tief überzeugt Ist. Und mit der Herzenseinstellung, immer wieder aus Mitgefühl heraus zu handeln und von Herzen gern zu geben. Amen 1
Die Selbstsorge ist, sich beim Geben nicht auszulaugen. Jesus hat seine engagierten Jünger immer wieder aufgefordert: Lasst uns von den Leuten weg an einen einsamen Ort gehen für Ruhe und Stille. Auch dies gehört zum Glücklichsein. Amen 2
 
 
 
 
 
 
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