Predigt - Kreuzkirche Lüneburg

Kreuzkirche Lüneburg
Kreuzkirche
Direkt zum Seiteninhalt

Predigt

Gottesdienst
13.12.2020 - 3. Advent

Liebe Gemeinde,
diese Ausstellung von Katja Hirschbiel hat mich sofort tief erreicht. Ich glaube, es sind die intensiv leuchtenden Farben und die Lebenssymbole, die mich persönlich gleich abholen. Zudem interpretieren die Bilder das moderne Glaubensbekenntnis, welches durch das Jahr hindurch immer wieder bei besonderen Gottesdiensten von uns hier in der Kreuzkirche gesprochen wird. Näher an mir und meinem Glauben dran kann also eine Ausstellung nicht sein.- Vielleicht empfinden Sie es ähnlich.

Mit 4 Bildern zu den Schöpfungselementen Wasser, Feuer, Erde, Luft gibt Katja Hirschbiel uns mit auf den Weg: Gott belebt uns und beschenkt uns und unser Leben mit Wasser, Feuer, Erde, Luft. Das leuchtet ein: Wasser und Sauerstoff erhalten uns am Leben, haben Leben überhaupt erst möglich gemacht. Die Erde ist unsere Existenzgrundlage, sie trägt uns, schenkt uns ihre Früchte und am Ende nimmt sie uns wieder zu sich, dass unser Leib wieder zur Erde werde und wir ein Teil von ihr sind. Was aber ist mit dem Feuer? Ist das Feuer so existenziell wichtig wie Wasser, Luft und Erde? Unser Leben wäre auch ohne Feuer vorstellbar. (Ich lasse bei dieser Betrachtung die Sonne aus, die ja ein Feuerball ist. Die Sonne ist für uns überlebenswichtig. Sonne und Licht sind aber ein eigenes Thema). Unser Leben wäre auch ohne Feuer vorstellbar. Wir könnten zwar kein warmes Essen verzehren, kein Brot backen, kein Wasser erhitzen für eine warme Dusche..... und vieles mehr würde fehlen. Trotzdem könnten wir leben … so wie unsere Vorfahren, als sie noch nicht entdeckt hatten, Feuer entfachen zu können. Das Feuer ist zwar eine Urgewalt, wenn zum Beispiel ein Blitz einschlägt und eine Behausung oder ein Wald abbrennt. Aber Feuer ist in erster Linie bedeutsam für uns als kulturelle Errungenschaft: Dass wir Menschen mit Feuer umgehen können, es einsetzen und nutzen können. Aber wir kontrollieren das Feuer nicht ganz und gar. Stellen wir uns vor: Ein Vulkan bricht aus und verbrennt alles in der Landschaft seines Umfeldes. Das können wir nicht beherrschen oder kontrollieren.
Darum ist das Feuer zu einem Symbol geworden für etwas Mächtiges, das eigenständig und unbeherrschbar ist. In unsere Sprache hat dies Eingang gefunden mit dem Bild von der verzehrenden oder läuternden Kraft des Feuers. Oder wir sprechen von Feuer und Flamme sein. Da ergreift uns etwas, begeistert uns und führt uns über ein mittelmäßiges, wohltemperiertes, gewöhnliches Denken oder Tun hinaus. Wenn ein Feuer in uns brennt, dann sind wir so begeistert, dass wir bisher ungeahnte Kräfte entfalten können und so denken und handeln, wie wir es in unserem eingewohnten Alltag nicht kennen.
Hermann Hesse beschreibt diesen eingewohnten Alltag, indem er darauf Bezug nimmt, wie manche Menschen Weihnachten feiern, ohne Feuer und Flamme für dieses Fest zu sein. Er schreibt: „Der 'Gebildete' von heute verhält sich zur Lehre Jesu so, dass er das ganze Jahr hindurch an sie (diese Lehre) nicht denkt und nach ihr nicht lebt, dass er aber am Weihnachtsabend einer … wehmütigen Kindererinnerung nachgibt und ein wenig in zahmen, wohlfeil-frommen Gefühlen schwelgt.“ (Hesse: In Weihnachtszeiten. Seite 45) Vielleicht verhalten Menschen sich so distanziert gegenüber der Lehre Jesu, weil sie sich verletzt fühlen und Narben davongetragen haben durch Mitmenschen, die an die Lehre Jesu glauben. Oben im Bild sehen wir Furchen und Kratzer, die für Verletzungen und Narben stehen könnten. Ich selbst war in der Jugend Feuer und Flamme für die Lehre Jesu, aber für eine missverstandene Lehre Jesu. Ich war durch konservativ-pietistische Pastoren, Lehrer und Studenten aus dem Missionsseminar Hermannsburg so beeinflusst worden, dass ich meinte: Jesus ist die einzige Wahrheit auf Erden und andere Religionen/Philosophien sind im Irrtum. Dadurch wurde ich intolerant. Und ich habe alle Christen und Nichtchristen argumentativ kritisiert, die meine Überzeugung nicht teilten. Mit diesem urteilenden Verhalten habe ich andere Menschen verletzt, vor allem andere Jugendliche und z.T. Auch Erwachsene. Sie haben Narben davongetragen … z.B. in der Form, dass sie inneren Widerstand aufbauten gegen die Lehre Jesu. Vielleicht sind sie heute so eingestellt, dass sie das Jahr über die Lehre Jesu nicht beherzigen, aber zu Weihnachten in die Kirche gehen und - wie Hermann Hesse sagt - „in zahmen, wohlfeil-frommen Gefühlen“ aus der Kindheit schwelgen. Aber mit der Liebe und Freude, die das Weihnachtsfest auslösen möchte, sind sie nicht in Kontakt. Vielleicht hatte das Feuer der Liebe und Freude schon ein wenig in ihnen gebrannt oder sie waren auf der Suche danach, aber durch meine verletzende Rechthaberei ist dieses Feuer erloschen.
Ich glaube, dass jede/r eigentlich sucht nach der Liebe und Lebensfreude, die aus Gott kommt....ob zu Weihnachten oder an anderen Tagen. Ich glaube, dass im Grunde jede/r sich sehnt danach, Feuer und Flamme sein zu können, die Stimme Gottes in sich zu hören und den göttlichen Ruf des Lebens in die Tat umzusetzen. Denn niemand will aus tiefstem Herzen ein langweiliges, zahmes, mittelmäßiges Leben führen, in dem letztlich nichts wirklich Bedeutsames geschieht. Ich möchte darum beschreiben, wie die Stimme Gottes aus einem mittelmäßigen, vielleicht sogar ziellosen und bedeutungslosen Leben herausführt. Dazu lassen Sie uns das Bild betrachten: Element Feuer.
Das Bild hat eine Mitte, den goldenen Kreis. Er ist das Symbol des ewig Vollkommenen ohne Anfang und Ende, Symbol des Göttlichen. Das Göttliche kann im Innersten unsere Mitte sein: die Mitte unserer Seele, als Inspiration unseres Geistes, als Liebe unseres Herzens.
Dies ist eine ungewöhnliche kirchlich-evangelische Vorstellung. Wir sind so erzogen worden im Religionsunterricht und Konfir, dass Gott uns gegenüber ist, außerhalb von uns. Und das ist er auch. Damit ist er schon halb beschrieben. Aber die andere Hälfte ist, dass er in uns ist: in der Mitte unserer Seele, unseren Geist inspirierend mit seinem Geist, um die Liebe des Christus in unser Herz zu senken.
Aus dieser Mitte schöpfen wir, Feuer und Flamme sein zu können, um unser Leben mit Liebe zu erfüllen. Hermann Hesse sagt, „weder Macht noch Besitz noch Erkenntnis“ (Weihnachtszeiten. Seite 28) macht uns selig, „sondern allein die Liebe“. Sie „ist doch der einzige Weg, der vorwärts und aufwärts führt“.
Setzen wir noch einmal beim Bild an: beim goldenen Kreis, beim Göttlichen. Gott ist die Liebe und sie zieht Kreise. Wir sehen im Bild Kreise um die goldene Mitte herum.
Schauen wir wie von oben auf dieses Bild, dann breiten sich diese Kreise immer weiter nach außen aus. Also die Liebe breitet sich aus und erreicht einen größeren Wirkungskreis.
Oder wir schauen wie von der Seite auf den goldenen Kreis und es ergibt sich, dass ein Tunnel von Kreisen auf uns zukommt oder sich von uns nach hinten hin entfernt.
Zu der ersten Perspektive, dass wir wie von oben auf die goldene Mitte und die Kreise sehen, fällt mir das Lied ein: Ins Wasser fällt ein Stein. Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise. Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort, in Tat und Wort, hinaus in unsere Welt. Hermann Hesse sagt: „allein die Liebe. Jedes Selbstlossein, jeder Verzicht aus Liebe, jedes tätige Mitleid, jede Selbstentäußerung scheint ein Weggeben, ein Sichberauben (zu sein), und ist doch ein Reicherwerden und Größerwerden, und ist doch der einzige Weg, der vorwärts und aufwärts führt.“ Wer diese Liebe lebt, hat die Spur aufgenommen zur Freude eines intensiven Lebens, das nicht mehr zahm, mittelmäßig oder langweilig ist.
Schauen wir wie von der Seite auf den goldenen Kreis und die sich ausbreitenden Kreise kommen auf uns zu, dann erfasst die Liebe uns selbst. Wir gönnen uns, uns selbst Liebe zu schenken. Das ist vermutlich für viele von uns ein Lernprozess. Auch für mich persönlich. John O'Donohue stellt den Lernprozess so dar: "Mögest du lernen,  dich mit der gleichen Freude, dem gleichen Stolz und der gleichen Wonne zu betrachten, mit der Gott dich in jedem Augenblick gewahrt". Dies könnte heißen: Wir machen uns nicht mehr klein, wir denken nicht negativ von uns selbst, wir werten uns selbst nicht mehr ab. Wir freuen uns über unsere Begabungen. Wir freuen uns über unsere Begabungen, ohne zu bemängeln, dass wir ja nicht alle Begabungen haben, die es gibt. Wer diese Liebe sich gönnt, hat die Spur aufgenommen zur Freude eines intensiven Lebens, das nicht mehr zahm, mittelmäßig oder langweilig ist.
Ich wiederhole noch einmal: Ich glaube, dass eigentlich jede/r nach der Liebe und Lebensfreude sucht, die aus Gott kommt. Aber wie ich eingangs beschrieben habe, kann der Weg zu Gott verschüttet sein. Durch unterschiedlichste Ereignisse in der Vergangenheit. Buddha würde sagen: Hafte an dieser Vergangenheit nicht an. Jesus würde sagen: Schaue beim Pflügen nicht zurück, sondern nach vorne. Dies bedeutet für mich: Wenn ich jetzt die Liebe und Freude in mir erfahren und leben möchte, dann halte ich mich an die Lehre Jesu. Hermann Hesse verstand die Worte „Lehre Jesu“ positiv. Ich begegne aber immer wieder Menschen heute, die eine Lehre suspekt finden oder als bevormundend einstufen. Mit der Lehre Jesu ist aber nichts Bevormundes gemeint, sondern worauf Jesus vertraut hat und welche Haltung er eingenommen hat. Das ist die Lehre Jesu: sein Vertrauen und seine Lebenshaltung. Er vertraute ganz und gar darauf, dass Gott gut und gütig, freundlich und liebend ist. Er hat aus diesem Vertrauen seine Lebenshaltung gewonnen, „so frei, so gut, so liebend, so wild, so sanft, so kühn und so wahr wie möglich auf das Leben zu antworten.(Veit Lindau) Wenn wir also die Lehre Jesu in Geist und Herz aufnehmen und für unseren Alltag nutzen, dann reifen wir und werden Jesus immer ähnlicher. Dann brennt sein Feuer in uns. Dann brennt sein Feuer in uns, „so frei, so gut, so liebend, so wild, so sanft, so kühn und so wahr wie möglich auf das Leben zu antworten.“ Amen
Bilder: Katja Hirschbiel, alle Rechte bei der Künstlerin


Angaben gemäß § 5 TMG und Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Der Kirchenvorstand der Kreuzkirchengemeinde Lüneburg
Röntgenstr. 34
21335 Lüneburg
Zusammenstellung: J.Koke


Made with WebSite X5

Kontakt:
Info@Kreuzkirche-Lueneburg.de
Buero@Kreuzkirche-Lueneburg.de
J.Koke@Kreuzkirche-Lueneburg.de
Gemeindebüro Telefon: 04131/ 731 434


Zurück zum Seiteninhalt